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Eingestellt am: 08.05.2012

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"Letzter Mohikaner"

ALEXANDER JOHANN LÖPPRICH-IONAS der "letzte Mohikaner"


- Unser rumänischer Patenjunge -

Hansi Löpprich hat nie eine deutsche Schule besucht. Er spricht sehr gut Sächsisch (seine Muttersprache), ein wenig Deutsch (mit starkem sächsischen Einfluß) und sehr gut Rumänisch. Die ersten 4 Klassen hat er in Bell besucht. Weiter gibt es da keine Schule, die Schüler müssen mindestens 12 km weit pendeln. Hansi geht aber ab der 5. Klasse in eine rumänische Stadtschule, und zwar nach Hermannstadt.
Hermannstadt (rum. Sibiu) nennen wir unser "Zentrum" - dort gibt es noch viel deutsche Kultur, z.B. das Deutsche Forum, die deutschsprachige evangelisch-theologische Fakultät (die landesweiten Pfarrkonvente finden dort statt), der Bischofssitz, der berühmte evangelische "Bachchor", sogar ein siebenbürgisch-sächsischer Bürgermeister usw.
Die Evangelische Kirche besitzt in Hermannstadt ein Schülerheim für evangelische Kinder von außen. Dort wohnt seit einem Jahr auch Hansi Löpprich aus Bell (ca. 45 km von Hermannstadt entfernt - auf den ersten Blick nicht weit, doch mit ganz schlechten Verbindungen!)
Hansi Löpprich ist ein scheuer Dorfjunge, der sich schwer, aber inzwischen doch in der "Großstadt" eingelebt hat - Hermannstadt ist eine 250.000 Einwohner starke Stadt, mit z.Zt. gutem wirtschaftlichen Aufschwung - für Hansi Löpprich eine Metropole im Vergleich zum ruhigen Dörflein Bell!
Er hat keine Geschwister. Mit seinen Eltern, Christa (37) und Alexandru (42), lebt im Haus auch die Großmutter mütterlicherseits -darum konnte Hansi das Sächsische so gut lernen (was wie gesagt, eine Seltenheit unter den Kindern und Jugendlichen geworden ist). Hansi ist einerseits scheu wie Dorfkinder es nun eben sind, aber begegnet stets freundlich den anderen Menschen und setzt sein strahlendes Lächeln auf .
Die Eltern sind beide "arbeitslos" - ich habe das Wort in Einführungsstrichlein gesetzt, weil beide Bauern sind. Wann ist aber ein Bauer wirklich arbeitslos?... Ich möchte sagen: sie sind nirgends angestellt, arbeiten aber in der Landwirtschaft, also in der eigenen Wirtschaft (Feldarbeit, Vieh- und Hühnerzucht u.v.a.) um leben zu können. So kann  man  sich vorstellen, dass das Geld extrem knapp ist - die Produkte werden -falls jemand etwas verkaufen will - sehr schlecht bezahlt. Man arbeitet, um zu essen. Man wirtschaftet oft auch auf Viehmärkten,z.B. wenn man Haustiere verkauft. Die Feldarbeit wird sehr schwach bezahlt.
Die Familie muss die Kosten des Schulinternates in Hermannstadt bezahlen, was für sie sehr hohe Kosten sind. Hansi Löpprich fährt darüber hinaus jedes Wochenende nach Bell.   Das evangelische Schülerheim hat in seinem Programm auch das Zusammenhalten der Familien, d.h. die Kinder sollten, wo möglich, jedes Wochenende bei ihren Eltern sein.

Bell ist ein typisch siebenbürgisches kleines Dorf, mit deutscher Vergangenheit


Alle Ortschaften in Siebenbürgen haben drei Namen: rumänisch (offizielle Sprache), deutsch (historische Sprache) und ungarisch (ebenfalls historische Sprache). Immer wieder muss erinnert werden, dass dieses Gebiet Rumäniens bis 1918 nicht zu Rumänien gehörte, sondern erst seit der großen Vereinigung am 1.12.1918.
1000 Jahre lang war Siebenbürgen unter ungarischen Regierung, oder Fürstentum, zuletzt Teil der Monarchie Österreich-Ungarn. Im 12. Jahrhundert kamen deutsche Kolonisten (in den Urkunden: "hospites flandrenses" und "hospites teutonici", also "Gäste") in diese Region, gerufen vom damaligen ungarischen König Geysa II. Sie kamen zum großen Teil aus der Rhein-Mosel - Gegend. Die eigene Sprache der Siebenbürger Sachsen ist über Jahrhunderte hinweg bis heute erhalten geblieben, und ähnelt sehr der Luxemburgischen Mundart.
Sie gründeten Ortschaften, bauten Kirchen und später die berühmten Kirchenburgen. Wir werden "Sachsen" genannt, weil die Einwanderer in vielen Urkunden auch "saxones" genannt wurden.
In der Zeitspanne 1542-1572 nahmen die katholischen Sachsen fast 100%-ig die lutherische Reformation an. So ist die lutherische Kirche (Evangelische Kirche A.B. in Rumänien) eine deutschsprachige Kirche. Es gibt noch eine Schwesterkirche - ungarischer Sprache. Eine rumänisch- sprachige lutherische Kirche gibt es in Rumänien (noch) nicht.
Das Dorf Bell war bis ins 20. Jahrhundert auch eine von der deutschen Bevölkerung und Kultur geprägte Ortschaft Sieben-bürgens. Nach dem 2. Weltkrieg und während des Kommunismus wanderten die Siebenbürger Sachsen (und Banater Schwaben) aus Rumänien allmählich aus. Nach der Wende ("Revolution") im Dezember 1989 waren die Grenzen offen und 90% der Rumäniendeutschen (besonders viele Sachsen) verließen in nur 2-3 Jahren (1990-1992) das Land.
Wie unzählige andere Dörfer ist auch Bell tief davon betroffen: heute leben in Bell nur 13 deutschstämmige. Eigentlich ist dort ALEXANDER JOHANN LÖPPRICH-IONAS der "letzte Mohikaner". Es gibt keine Kinder in Bell, die - wie er - sächsisch sprechen, oder deutsch. Natürlich spricht er rumänisch und hat viele rumänische oder ungarische Freunde.
Der Gottesdienst findet jeden 2. Sonntag statt (2x im Monat also), zu Hochfesten auch öfters. Seit der großen Auswanderung in den 90`er Jahren ist es keine Seltenheit mehr, dass in evangelischen Gottesdiensten auch die rumänische Sprache benützt wird. Und das ist, weil entweder die Sachsen-kinder kein Deutsch verstehen (ja sogar das Sächsische geht verloren, weil auch die Eltern mit ihnen zu Hause eher Rumänisch sprechen), oder weil es schon viele evange-lische Mitglieder gibt, die nie deutsch ge-lernt und gesprochen haben. Also ist auch in Bell der Gottesdienst zweisprachig (deutsch und rumänisch).

Pastorin Servatius-Depner