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Eingestellt am: 08.05.2012

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Altenheim Scholten

Das Altenheim in Scholten / Siebenbürgen / Rumänien


Das Altenheim in Scholten wird von dem Pastoren Ehepaar Wagner betreut. Die Kirchengemeinde Krummesse unterstützt ihre Arbeit seit Jahrzehnten mit Spenden aber auch mit Aktionen des Kindergartens. So haben die Kinder unseres Kindergartens die Bewohnerinnen und Bewohner des Altenheims in der Adventszeit mit Weihnachtspäckchen erfreut.

Damit diese Unterstützung für uns lebendig wird und wir mit dem Altenheim in Scholten Menschen verbinden, die wir "kennen", stellen wir ihn nun 5 Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrer bewegten Lebensgeschichte kurz vor:


Kloos Maria

ist 1930 geboren, als eines von 5 Geschwistern.

Frau Kloos ist geistig behindert und hat dadurch irgendwie die Verbindung zu ihrer Familie verloren. Genaues ist nicht mehr festzustellen. Jedenfalls hat sich im vergangenen Jahr plötzlich ein Bruder gemeldet, der in Deutschland lebt und durch Zufall erfahren hatte, dass seine Schwester im Heim in Scholten ist. Noch hat er sie nicht besucht.

Frau Kloos kann nur schlecht sprechen und ist taub. Trotzdem kommuniziert sie ganz gut mit dem Personal, leider weniger gut mit den Mitbewohnerinnen. Sie ist übertrieben reinlich: schon früh um 6 reißt sie die Fenster zum Lüften auf und beginnt mit dem Aufräumen. Sommers und Winters, bei jedem Wetter, kehrt sie den ganzen Vormittag den Hof und die Straße vor dem Heim. Ihre Wäsche wäscht sie selber und behütet sie auf der Leine, bis sie trocken ist. Sie ist friedlich und freundlich, hat aber Angst vor Männern im Allgemeinen und Polizisten im Besonderen.

Frau Kloos hat keinerlei Einkommen. Wie auch bei Herrn Astner ist eine stationäre medizinische Behandlung deshalb nicht möglich, obwohl sie am rechten Auge Lidkrebs hat. Auch hier kann man nur mit sorgfältiger Hygiene und Schmerz-mitteln helfend eingreifen.


Kolman Hermann

Ist 50 Jahre alt und seit 1999 im Altenheim in Scholten, dem Dorf, wo er 1954 geboren wurde und wo er, zusammen mit 5 Schwestern, aufwuchs. Erst als er zum Militärdienst einberufen wurde, verließ er sein Heimatdorf, kehrte aber nach abgeleisteter Dienstzeit nicht mehr nach Hause zurück und brach jede Verbindung zu seiner Familie ab. Jahrelang wusste man nichts von ihm. Als seine Mutter starb, versuchten die Schwestern ihn zu finden, aber ohne Erfolg.

Nach der Wende 1989 ließen sie ihn noch einmal suchen, bevor sie nach Deutschland auswanderten, auch diesmal ohne Erfolg.

Erst im Jahre 1999 tauchte er wieder auf, als Patient im Krankenhaus, wo ihm das linke Bein amputiert werden musste. Da er weder ein Zuhause noch Angehörige hatte, fand er Aufnahme im Scholtener Heim.

Aus seinen Erzählungen geht hervor, dass er ein unstetes und rastloses Leben geführt hat: mal als Schäfer auf der Alm, mal als Tagelöhner in der Erntezeit. Das einzig Stabile in seinem Leben war der Alkoholkonsum. Einmal ist eine Frau aufgetaucht, die behauptet hat, sie hätte ein paar Jahre mit ihm verbracht und hätte zwei Kinder mit ihm. Er behauptet aber, nichts mit ihr zu tun zu haben und hat heute keinerlei Verbindung zu ihr.

Nach seiner Aufnahme ins Heim kam er schnell wieder zu Kräften, nahm aber leider auch die alten Gewohnheiten schnell wieder an. Da man in Scholten relativ leicht an alkoholische Getränke kommen kann, begann er wieder zu trinken, mit allen sich daraus ergebenden Folgen: Geschrei, Prügelei, Ausfälligkeit gegen das Personal. Als der Zustand schon unhaltbar geworden war und die Heimleitung ernsthaft über eine Verlegung in die Psychiatrie nachdachte, musste ihm auch das zweite Bein amputiert werden, und auf die Operation folgte ein Schlaganfall, der ihm die Stimmbänder und die linke Körperhälfte lähmte. Seither ist er an den Rollstuhl gebunden und kann sich nur durch Gestik und Mimik verständlich machen.

Da er sich nicht mehr selbständig bewegen kann, ist ihm der Zugang zu Alkohol unmöglich geworden, und sein Allgemeinzustand hat sich entsprechend gebessert. Er ist seither umgänglich und freundlich und dankbar für die Pflege, die man ihm angedeihen lässt. Bei schönem Wetter sitzt er stundenlang vor dem Haus, grüßt die Vorübergehenden und macht einen ganz zufriedenen Eindruck.

Herr Kolmann hat kein Einkommen.


Schunn Katharina

wurde 1920 in Schellenberg bei Hermannstadt geboren. Von ihren zwei Brüdern lebt einer noch in Deutschland, der aber die Verbindung zu ihr abgebrochen hat.

Sie absolviert die Grundschule in ihrem Heimatdorf und hilft anschließend den Eltern in der Wirtschaft, bis sie 1945 nach Russland deportiert wird und 5 Jahre lang schwere körperliche Arbeit leisten muss. Als sie 1950 endlich wieder nach Hause kommt, bringt sie ein Kind mit, ihren Sohn Michael, der jetzt in Deutschland lebt und sie alle 2-3 Jahre besucht.

1955 heiratet sie und lebt mit Mann und Kind in Girlsau, wo sie zusammen mit ihrem Mann als Tagelöhner in der Holzverarbeitung, später in einer Textilfabrik, einige Zeit auch im Ernteeinsatz arbeitet.

1990 wandert ihr Sohn nach Deutschland aus, und als 1993 ihr Mann stirbt, bleibt sie alleine im Haus zurück.

2002 muss sie sich einer Operation unterziehen, und nachher kann sie nicht mehr gehen. Seither lebt sie im Heim.

Ihr einziges Einkommen ist die Kriegsgeschädigtenrente für die Zeit in Russland, in Höhe von umgerechnet etwa 100 €.

Ihre große Freude sind die Tiere, ein Hund und zwei Katzen, die sie selber füttert und mit denen sie viel und oft spricht.


Fakesch Katharina

Wurde am 2.März 1922 in Klein-Alisch geboren, ist also jetzt 87 Jahre alt. Sie wuchs in ihrem Elterhaus zusammen mit einer älteren Schwester auf, die jedoch schon seit Jahren nicht mehr lebt.

Frau Fakesch hat keine nahen Verwandten. Ihr einziger – brieflicher – Kontakt besteht zu einer Kusine und deren Familie, die in Deutschland lebt.

1945 wurde sie, wie die meisten ihrer Landsleute, zur Aufbauarbeit nach Russland verschleppt, wo sie 3 Jahre lang Erde mit Schubkarren in Waggons verladen musste. Dann wurde sie so krank, dass sie nach Hause geschickt werden musste. Alle arbeitsunfähigen Menschen wurden in Viehwaggons verladen und in Richtung Heimat auf die Schienen gebracht. Da sie aber wussten, dass in Siebenbürgen inzwischen Hungersnot herrschte und die Kommunisten alle Leute enteignet hatten, versperrten sie die Waggons von innen und weigerten sich, auszusteigen. So kam sie nach Deutschland, wo sie nach ihrer Genesung noch fast drei Jahre in der Landwirtschaft arbeitete, ehe sie nach Hause zurückkehrte.

Hier herrschte auch große Armut und Unsicherheit, aber sie fand Arbeit auf einer Farm, wo sie bis ins Alter Tiere versorgte.

Wie viele Frauen ihrer Generation, blieb sie unverheiratet und pflegte ihre alten und kranken Eltern, bis diese starben. Vierzigjährig stand sie dann allein in der Welt und blieb in ihrem Haus bis 1995, als sie hinfiel und sich eine Verletzung an der Wirbelsäule zuzog, die sie ans Bett fesselte. Das kirchliche "Lukas Spital" in Großlasseln nahm sie auf und pflegte sie 5 Jahre lang, dann kam sie ins Altenheim "Pater und Paul" in Scholten, wo sie heute lebt.

Vor einem halben Jahr wurde ein sich rasch ausdehnendes Krebsgeschwür am rechten Auge festgestellt, welches nicht mehr operiert werden kann, da der Allgemeinzustand sehr unstabil ist. Starke rheumatische Beschwerden und ein ständig schwankender Blutdruck machen größere Behandlungen unmöglich.

Trotz ihres belasteten Lebens ist Frau Fakesch immer freundlich und hilfsbereit. Sie hilft dem Personal bei der Pflege ihrer Mitbewohnerinnen, denen es schlechter geht als ihr, macht gerne Küchenarbeit, putzt Gemüse, wäscht Geschirr u.s.w. Im Heim haben alle sie gern, auch mit dem Personal kommt sie sehr gut zurecht.

Sie weiß auch ganz genau, dass die Aufnahme im Altenheim die einzige Möglichkeit für sie war und ist dankbar für alles, was ihr dort geboten wird. Ihre Rente, die ihr für die Jahre der Verschleppung gezahlt wird, beträgt umgerechnet 100 €, das ist gut die Hälfte der Kosten eines Heimplatzes.


Astner Mathias

Geboren 1927 in Hamlesch, als eines von insgesamt 9 Kindern des Ehepaares Mathias und Katharina Astner.

Die einzig Lebenden sind er und eine Schwester, die in Deutschland lebt, ihn aber jährlich besucht.

Herr Astner erzählt, dass er nicht zur Schule gehen konnte und auch nicht geheiratet hat, weil die Familie zu arm war. Schon mit 10 Jahren musste er seinen Eltern in der Wirtschaft helfen und hat sein Leben lang "mit Erde und mit Tieren" gearbeitet, allerdings ohne ein festes Anstellungsverhältnis. So hat er heute kein Einkommen.

Im Heim ist er seit 11 Jahren, und ist bei allen Bewohnern und dem Personal beliebt wegen seiner bescheidenen, stillen Art. Er hat sich gut eingelebt und ist dankbar, dass er sich gut aufgehoben weiß. Leider hat er starke rheumatische Beschwerden, die seine Beweglichkeit beeinträchtigen, und vor einem Monat wurde auch ein Krebsgeschwür entdeckt. Eine stationäre Behandlung ist nicht möglich, da er kein Einkommen hat und somit nicht versichert ist. Der Heimarzt, ein Allgemeinmediziner, tut was er kann, um ihm das Leben erträglich und vor allem schmerzfrei zu machen.