

Fakesch Katharina
Wurde am 2.März 1922 in Klein-Alisch geboren, ist also jetzt 87 Jahre alt. Sie wuchs in ihrem Elterhaus zusammen mit einer älteren Schwester auf, die jedoch schon seit Jahren nicht mehr lebt.
Frau Fakesch hat keine nahen Verwandten. Ihr einziger – brieflicher – Kontakt besteht zu einer Kusine und deren Familie, die in Deutschland lebt.
1945 wurde sie, wie die meisten ihrer Landsleute, zur Aufbauarbeit nach Russland verschleppt, wo sie 3 Jahre lang Erde mit Schubkarren in Waggons verladen musste. Dann wurde sie so krank, dass sie nach Hause geschickt werden musste. Alle arbeitsunfähigen Menschen wurden in Viehwaggons verladen und in Richtung Heimat auf die Schienen gebracht. Da sie aber wussten, dass in Siebenbürgen inzwischen Hungersnot herrschte und die Kommunisten alle Leute enteignet hatten, versperrten sie die Waggons von innen und weigerten sich, auszusteigen. So kam sie nach Deutschland, wo sie nach ihrer Genesung noch fast drei Jahre in der Landwirtschaft arbeitete, ehe sie nach Hause zurückkehrte.
Hier herrschte auch große Armut und Unsicherheit, aber sie fand Arbeit auf einer Farm, wo sie bis ins Alter Tiere versorgte.
Wie viele Frauen ihrer Generation, blieb sie unverheiratet und pflegte ihre alten und kranken Eltern, bis diese starben. Vierzigjährig stand sie dann allein in der Welt und blieb in ihrem Haus bis 1995, als sie hinfiel und sich eine Verletzung an der Wirbelsäule zuzog, die sie ans Bett fesselte. Das kirchliche "Lukas Spital" in Großlasseln nahm sie auf und pflegte sie 5 Jahre lang, dann kam sie ins Altenheim "Pater und Paul" in Scholten, wo sie heute lebt.
Vor einem halben Jahr wurde ein sich rasch ausdehnendes Krebsgeschwür am rechten Auge festgestellt, welches nicht mehr operiert werden kann, da der Allgemeinzustand sehr unstabil ist. Starke rheumatische Beschwerden und ein ständig schwankender Blutdruck machen größere Behandlungen unmöglich.
Trotz ihres belasteten Lebens ist Frau Fakesch immer freundlich und hilfsbereit. Sie hilft dem Personal bei der Pflege ihrer Mitbewohnerinnen, denen es schlechter geht als ihr, macht gerne Küchenarbeit, putzt Gemüse, wäscht Geschirr u.s.w. Im Heim haben alle sie gern, auch mit dem Personal kommt sie sehr gut zurecht.
Sie weiß auch ganz genau, dass die Aufnahme im Altenheim die einzige Möglichkeit für sie war und ist dankbar für alles, was ihr dort geboten wird. Ihre Rente, die ihr für die Jahre der Verschleppung gezahlt wird, beträgt umgerechnet 100 €, das ist gut die Hälfte der Kosten eines Heimplatzes.
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